Bhutan – im Land des Glücks

Intensive Farben, atemberaubende Ausblicke und die spirituelle Stille des Himalaya – Erlebnisse und Begegnungen auf einer außergewöhnlichen Reise.

Reisebericht von
Monika Eckler-Deimel

Bhutan ist immer noch ein exotisches Reiseziel, auch wenn der junge König sein Land mehr und mehr öffnet und mehr Reisende ins kleine Königreich am Fuß des Himalaja kommen können. Aus Europa gibt es keine Direktflüge. Die Anreise kann über Dubai, Thailand (Bangkok), Nepal (Kathmandu) oder Singapur erfolgen. Mein Tor nach Bhutan ist Indien. Hier bleibe ich zwei Tage.

Tag 1 – Flug nach Delhi

Meine Bhutan-Reise startet Anfang Dezember. Das ist am Ende einer der bevorzugten Reisezeiten von September bis November. Der zweite ist von März bis Mai. Ich starte in Wien und fliege über München nach Delhi. Gegen Mitternacht landet unsere kleine Gruppe in der indischen Hauptstadt – und wir sind froh, nach der langen Anreise im eleganten Hotel The Leela Palace mitten im Diplomatenviertel einchecken zu können. Das Hotel ist wie ein nordindischer Palast mit modernen Facetten: Edle Teppiche, schwere Murano-Kronleuchter und ein Pool mit Blick über das nächtliche Delhi. Ich spüre: Diese Reise wird besonders.

Tag 2 – Ausflug nach Agra und das Taj Mahal

Am Morgen machen wir eine kurze Stadtrundfahrt und es wird klar, warum die Stadt manchmal als „Wahnsinn auf Asphalt“ beschrieben wird. Laute Straßen voller Leben – eine Mischung aus Motoren, Marktgeruch und Tempelmusik. Dennoch gibt es ruhige Orte: Parks, Paläste und das weitläufige Areal des Humayun-Mausoleums, des ersten Mogul-Grabs Indiens.

Danach fahren wir nach Süden in die Stadt Agra. Die Landschaft am Fenster zieht vorbei – karges Land, Menschen, Tiere, Marktstände. Der Verkehr ist laut, viele Eindrücke vermischen sich: fremde Gerüche, hupende Autos, das Lachen von Kindern auf den Straßen. Nach knapp vier Stunden erreichen wir das Oberoi Amarvilas, das in Sichtweite zum Taj Mahal liegt. Nach dem Check-in atme ich durch. In der Nachmittagsdämmerung genieße ich von meinem Balkon den allerersten Blick auf die legendäre Marmor-Kuppel. Der Anblick ist magisch – fast unwirklich, wie aus einem Traum. Diese Stille vor dem Taj Mahal, nachdem die vielen Menschen gegangen sind, lässt mich innehalten.

Tag 3 – Taj Mahal und zurück nach Delhi

Schon um 6 Uhr brechen wir auf, verlassen das Oberoi Amarvilas und sind bei den allerersten Besuchern im Taj Mahal. Es ist noch ruhig, das sanfte Morgenlicht umspielt die Marmor-Ornamente des märchenhaften Bauwerks – ein magischer Moment. Es ist erstaunlich kühl, wir können uns frei bewegen, Fotos ohne Menschenmassen machen. Das zeitige Aufstehen hat sich wirklich gelohnt.

Foto: Taj Mahal

Zurück im Oberoi Amarvilas genießen wir das vorzügliche Frühstück bevor wir zurück nach Delhi fahren. Nach dem Trubel auf den Straßen Delhis checken wir ein zweites Mal im The Leela Palace ein. Nach einem opulenten Dinner lasse ich in der Ruhe meines eleganten Zimmers noch einmal die Erlebnisse des Tages vorüberziehen – und freue mich schon auf den nächsten Tag: Bhutan, ich komme!

Tag 4 – Am Himalaya vorbei nach Bhutan: Delhi–Paro–Thimphu

An diesem Flugtag spüre ich Unruhe und Vorfreude. Ich habe es vorab geschafft, einen Fensterplatz auf der linken Seite der Drukair, der Royal Bhutan Airlines, zu ergattern. Jetzt muss nur noch das Wetter passen. Und, es ist perfekt: Tiefblauer Himmel – und als dann die ersten weißen von der Morgensonne angestrahlten Himalaya-Gipfel auftauchen, geht ein Raunen durch die Kabine. Die mächtigen Bergketten sind fast zum Greifen nahe, so klar, so unvergesslich! Im Bordmagazin der Drukair sind die wichtigsten Gipfel abgebildet und ich bin der festen Überzeugung, auch den Mount Everest erkannt zu haben…

Foto: Flug nach Bhutan

Dieser Zweieinhalb-Stunden-Flug war wohl einer meiner spektakulärsten. Wir landen in Paro um halbsechs Uhr – Bhutan empfängt uns mit abendlich frischer Bergluft und angenehm entspannter Atmosphäre .

Wir werden schon von unseren Six Senses GEM (Guest Experience Maker) erwartet. Diese Guides von Six Senses Hotels werden uns auf der „khamsa“, dem „königlichen Spaziergang“ durch Bhutan, begleiten und uns Einblicke in die Kultur, die Geschichte und das lokale Leben in den Tälern unserer bevorstehenden Reise vermitteln. Bis auf die Regionen um Paro und Thimphu kann das gesamte Königreich nur in Begleitung lokaler Guides erkundet werden. Ausländer dürfen auch nicht selber fahren, daher gibt es auch keine Mietwagen.

Die Fahrt von Paro nach Thimphu führt durch dichte Wälder, vorbei an alten Klöstern und bunten Gebetsfahnen. Für die rund 50 Kilometer benötigen wir knapp eineinhalb Stunden, weil sowohl der Straßenzustand wie auch das Gemüt der Einheimischen einen gemächlichen Fahrstil bewirken. Unser Ziel ist die Six Senses Thimphu Lodge, ein luxuriöser Zufluchtsort hoch über der geschäftigen Hauptstadt gelegen. Im weiten Areal mit Apfelhainen stehen einzelne Häuser mit jeweils vier großen Suiten, in jeder ein Kamin. Etwas ungewohnt: Nach ein paar schnellen Schritten spüre ich die 2.650 Meter Seehöhe – das sollte aber bald vorbei sein. Von meinem Balkon habe ich die spektakuläre Aussicht auf das Thimphu-Tal und die 52 Meter hohe kolossale Buddha-Statue jenseits des Flusses. Sofort stellt sich das Gefühl von Geborgenheit ein. Die Six Senses Lodge in Thimphu hat einen wahrlich treffenden Beinamen: „Palace in the Sky“. Wer hier die Aussicht genießt, weiß warum. Man ist dem Himmel gefühlt ganz nah. Am Abend wird es empfindlich kalt. Da schätze ich meinen kleinen Kamin und schlafe bei leise knisterndem Feuer ein.

Tag 5 – Thimphu: Buddha Dordenma, Kunst, Spiritualität

Schon von der Six Senses Lodge aus schaut der goldene Buddha mächtig aus, wie er über das Thimphu-Tal wacht. Umso beeindruckender ist der Buddha Dordenma, je näher wir kommen. Der Weg führt durch Wälder voller riesiger Rhododendren und flatternder Gebetsfahnen. Schließlich stehe ich auf der Plattform mit goldener Figuren, auf der der Riesen-Buddha thront – und ich komme mir sehr klein vor.

Foto: Thimphu_Buddha Dordenma

Danach bummeln wir durch die geschäftige Hauptstadt, in der es allerdings verglichen mit europäischen Städten geradezu entspannt zugeht. Wir besuchen ein Atelier und schauen den Künstlern zu, wie sie geduldig an überdimensional großen Ölbildern mit traditionellen Motiven arbeiten.

Zurück im Hotel erwartet uns eine Überraschung: Wir bemalen Tsa-Tsas und verstecken persönliche Wunschzettel darin. Ein Tsa-Tsa ist ein kleiner Kegel aus einer Masse aus pflanzliche Fasern, Staub, Lehm und Wasser. Wir nehmen sie mit, um sie traditionell als Opfergabe an einer der heiligen Stätten, die wir besuchen werden, darzubringen.

Der Nachmittag endet in einem kleinen, den Bauernhäusern nachempfunden Gebäude auf dem Hotelgelände: Mit einer traditionellen Butterlampen-Zeremonie und einem Imbiss mit Buttertee, Gebäck und Kuchen.

Tag 6 – Die Fahrt nach Punakha & das Dochula-Festival

Wer möchte, beginnt den Tag früh mit einer Mediation. Dazu treffen wir einen Mönch im Pavillon, der mitten im künstlichen Teich des Hotels steht. Es hat nur 3 Grad und der Teich ist von Raureif umgeben. Nach dem Frühstück brechen wir Richtung Punakha auf. Der Segen des Mönchs begleitet uns – das ist Tradition, in Bhutan wird keine Reise ohne Segen angetreten. Die Straße schlängelt sich über den 3.050 Meter hohen Dochula-Pass, den wir nach gut 40 Minuten erreichen. Plötzlich entdecke ich hunderte bunte Fahnen im Höhenwind – eine surreale Szenerie! Wir sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort und erleben das Dochula Druk Wangyal Festival mit bunt gekleideten Tänzern und Akrobaten vor der majestätischer Bergkulisse. Das Fest findet jährlich am 13. Dezember statt, ist eine Farbexplosion und ein bewegender Einblick in den Stolz und die Tradition Bhutans.

Foto: Dochula Druk Wangyal Festival

Die Reise führt weiter ins tiefer gelegene und wärmere Punakha-Tal, eines der landwirtschaftlichen Zentren Bhutans. Kurz vor unserem Ziel, der Provinz-Stadt Punakha, befindet sich ein wichtiges Pilgerziel für kinderlose Paare, der kleine Tempel Chimi Lhakang, Bhutans Fruchtbarkeitstempel aus dem 15. Jahrhundert. Wir tauchen in die spirituelle Atmosphäre im Chimi Lhakang ein und beobachten Pilger, die den Segen des Lama erhoffen. Kinderlose Frauen lassen sich mit einem hölzernen Phallus segnen, in der Hoffnung, Mutter zu werden.

Nicht weit entfernt passieren wir den Dzong von Punakha – „Dzong“ bedeutet „buddhistische Klosterburg“. Wir machen einen Fotostopp am gegenüberliegenden Flussufer, den Dzong werden wir erst am nächsten Tag besichtigen.

Foto: Punakha Dzong

Nach rund 85 Kilometern und einer reinen Fahrzeit von 2 Stunden und 45 Minuten erreichen wir unser Quartier, das Flying Farmhouse Six Senses Punakha, umgeben von Reisfeldern und grünen Hügeln. Die Architektur aus Stein und Bambus passt perfekt in die von der Landwirtschaft geprägten Umgebung – hier bleibe ich gern.

Tag 7 – Punakha: Wanderungen & Punakha Dzong

Am Morgen führt uns eine kurze Wanderung durch Felder und Wälder zum Chorten Nyingpo Lhakhang, einem Tempel, der tiefe Ruhe ausstrahlt. Wir frühstücken mit den jungen Mönchen in der angeschlossenen Schule, essen Reis, trinken Buttertee und plaudern mit ihnen. Englisch ist kein Problem, in der Schule werden zudem die Grundlagen des Buddhismus, lokale Kunst und religiöse Musik gelehrt. Wir erfahren zum Beispiel, dass Harry Potter zur Lieblingsliteratur der Kinder gehört.

Foto: Mönch_Chorten Nyingpo Lhakhang

Foto: Mönche_Chorten Nyingpo Lhakhang

Eine zweite leichte Wanderung führt uns in 45 Minuten vom Fluss im Phunakha-Tal auf einen Hügel zum dreistöckige Khamsum Yulley Namgyal Chorten. Wir spazieren zwischen goldenen Stupas, überall brennen kleine Butterlampen und drehen sich die Gebetsmühlen. Von hier ist der Blick über das weite Tal mit den vielen Feldern grandios.

Foto: Khamsum Yulley Namgyal Chorten

Der Besuch beim Punakha Dzong, der wie ein Märchenpalast wirkt, ist das architektonische Highlight des Tages: Er steht untypisch am tiefsten Punkt des Tales, zwischen zwei Flüssen, die gleich danach zusammenfließen und ist über eine überdachte Brücke zu erreichen. In den Höfen sind überall tropische Blumen und Bäume mit singenden Vögeln. Die mehrstöckigen Gebäude beeindrucken mit ihren filigranen Holzschnitzereien. Und überall schauen wir in freundlich lächelnde Gesichter. Bhutan offenbart seine Schönheit ganz ohne spektakuläres Drumherum.

Den Tag beenden wir am gegenüberliegenden Flussufer. Unsere GEM haben einen Klapptisch und Stühle für den Sundowner aufgebaut. Wir genießen Cocktails mit Blick auf den Dzong in prächtiger Abendröte – und gegen die kühle Abendluft schützen kuschelige Decken.

Foto: Punakha Dzong

Punakha Dzong_Sundowner

Tag 8 – Von Punakha nach Paro

Die Fahrt zurück über den Dochula-Pass ist ein visuelles Fest. Wir halten kurz am Simtokha Dzong – einem Ort tiefer Meditation und Lehre. Der nächste Stopp kurz vor Paro: ein altes Bauernhaus, in dem traditionelles Kunsthandwerk gepflegt wird. Wir erhalten bunte Tücher, die wir mit quadratischen Holzstempeln bedrucken. Das Ergebnis sind unsere selbst gemachten Gebetsfahnen, die überall im Himalaya zu sehen sind.

Foto: Gebetsfahnen_Paro

In Paro, dem Tor Bhutans, vertreten wir uns nach der langen Fahrt die Beine, bummeln durch die Straßen, tauchen ein wenig ins tägliche Leben ein. Dann besichtigen wir noch den Rinpung Dzong mit seinen 14 Schreinen und Kapellen, wundervollen Fassaden mit teilweise bunt bemalten Holzschnitzereien und unzähligen Gebetsmühlen.

Foto: Shopping in Paro

Die Six Senses Paro Lodge heißt uns mit knisterndem Kaminfeuer, handgeschlagenen Steinwänden und weicher Holzatmosphäre willkommen. Der Tag war lang und ich freue mich schon aufs Kaminknistern beim Einschlafen.

Tag 9 – „Once in a lifetime“: Aufstieg zum Tiger’s Nest

Weckruf um 5 Uhr 30, Frühstück im Zimmer. Früh am Morgen fahren wir los zur Wanderung zum berühmten Tiger’s Nest. Wir starten am Parkplatz am Fuß des steilen Berges in 2.590 Meter Seehöhe. Schon der Weg durch verschlungene Pfade ist inspirierend – Nebel, uralte Bäume, der Wind, der Gebetsfahnen tanzen lässt. Die Wanderung zum Taktshang-Kloster, überall als Tiger’s Nest bekannt, ist ein Erlebnis für die Sinne. Während ich auf diesem teils anspruchsvollen Pfad, der sich durch Wald und über schroffe Felsvorsprünge windet, höher und höher komme, bieten sich jede Menge an Perspektiven und Fotomotiven. Die Route ist gut gepflegt, wenn auch mitunter steil und herausfordernd, sodass mit jedem Schritt das Ziel, das erhaben auf seinem Bergrücken thront, ein Stück greifbarer scheint. Auf etwa der Hälfte der Strecke empfängt uns das einladende Tiger’s Nest Café mit Erfrischungen. Ein idyllischer Platz für eine Atempause, während mein Blick über die malerische Landschaft schweift. An der gegenüberliegenden Felswand hängt das Taktshang-Kloster, es scheint, als ob es über dem Paro-Tal schwebt. Wir meinen, wir wären bald da, doch dann führt der Weg noch einmal in einen Felsgraben runter, um dann auf der anderen Seite über unzählige Stufen endlich das Kloster zu erreichen. Wir sind auf 3.060 Metern Seehöhe, es sind seit unserem Aufbruch genau dreieinhalb Stunden vergangen.

Bei vielen Fotogelegenheiten habe ich die majestätische Schönheit der Umgebung, des Himalaya-Panoramas, eingefangen. Doch beim Betreten des heiligen Klosters bleibt die Kamera aus Respekt vor dem spirituellen Ort arbeitslos. Die Eindrücke des Tiger’s Nest werden zu unbezahlbaren Erinnerungen, da hier die Stille und Spiritualität weit über das Visuelle hinausgehen.

Foto: Tigers Nest

Tag 10 – Abschied von Bhutan

Letzter Sonnenaufgang von der Lodge hoch über Paro. Stille, ein dampfender Tee, der Blick auf das Tal – die Zeit scheint stehenzubleiben. Beim Abschied spüre ich, wie Bhutan einen Platz in meinem Herzen gefunden hat: Begegnungen mit immer freundlichen Menschen, keine Hektik, inspirierende Landschaften und Momente voll innerer Zufriedenheit bleiben als kostbare Erinnerungen.

Auf dem Rückflug verabschiede ich mich mit dem Blick über die schneebedeckten Berge des Himalaya – und versinke in Gedanken. Bhutan, das Land des Glücks, ist nicht einfach nur ein Ziel, sondern ein Gefühl, das weiterlebt. Wer dieses Land bereist, entdeckt eine Welt, in der Spiritualität und Natur der Alltag sind – und vielleicht auch einen neuen Frieden in sich selbst.

Tipps

Es gibt keine Direktflüge.

Die Anreise nach Bhutan erfolgt über Indien, Dubai, Kathmandu, Singapur oder Bangkok.

Für Bhutan gilt Visumpflicht.
Individualreisen sind kaum möglich, Guides sind obligatorisch.

Die besten Reisezeiten sind von September bis November oder März bis.
Abends kann es das ganze Jahr über empfindlich kalt werden – entsprechende Bekleidung einpacken.

Unbedingt das Tiger’s Nest (Taktshang-Kloster) erwandern – die Strecke ist anspruchsvoll, aber das Panorama und die spirituelle Erfahrung sind einzigartig.

Das Königreich Bhutan liegt eingebettet im östlichen Himalaya zwischen Indien und Tibet. Hauptstadt: Thimphu. Größe: 38.400 km² (etwa halb so groß wie Österreich), knapp 800.000 Einwohner. Über 80 % des Landes befinden sich auf mehr als 2.000 Metern Höhe mit spektakulären Gebirgslandschaften und dem höchsten Berg Gangkhar Puensum (7.570 m).

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